REALM OF THE IMMORTALS

"Ihr Götter! Die Magiergilde! Er wagt es!"
(Ausspruch Timmorels im Gespräch mit Nak’kasar)

Das 10. Modul von Legends
(basierend auf Reich der Unsterblichen aus dem Jahre 1990)
Aktuell gültige Version 2.6

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“Realm of the Immortals” Modules

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Eine kleine Einleitung in die Geschichte des Modules

Es war nicht die mieseste Absteige, die der Fremde in den letzten Monaten gesehen hatte. Tatsächlich könnte man ein paar derjenigen, die er besucht hatte, als fast schon legendär bezeichnen. Auch war dieses Gasthaus nicht das älteste, obwohl es offensichtlich seit etlichen Jahren in einem Randbezirk der Stadt stand. Irgend etwas am Haus erweckte einen niedergeschlagenen Eindruck, doch er konnte es nicht richtig einordnen. Das Gebäude war gut erhalten, die Holz- und Steinwände würden noch ein weiteres Dutzend Winter stehen. Das Vordach über der Tür war ausgebleicht und an mehreren Stellen notdürftig geflickt, aber das war noch nichts außergewöhnliches.
Doch dann bemerkte er es. Es lag an den Fenstern! An einem so heißen Tag in der Stadt, und bei Gott, heute war ein heißer Tag, würde jeder vernünftige Geschäftsmann die Stoffvorhänge der Fenster weit öffnen und darauf hoffen, zumindest eine leichte Brise zu erzeugen, um die steigende Temperatur des späten Vormittags auszugleichen und so vielleicht sogar ein paar zahlende Kunden mehr anzulocken.
Die Vorhänge der Ambosstaverne waren geschlossen und zugebunden und nun fiel ihm auch auf, dass die übliche Geräuschkulisse eines späten Vormittags seltsam abwesend war.

Nun gut, es waren mehrere Jahre vergangen, seit er diese Gegend bereist hatte, vielleicht hatten sich die Dinge verändert. Mit einem Seufzen und einem leicht skeptischen Gesichtsausdruck stieß der Fremde die große Eichentür auf und trat ein.
Nachdem er eingetreten war, schlug er seine Kapuze zurück und gab seinen Augen ein paar Sekunden Zeit, sich an das unerwartete Dämmerlicht zu gewöhnen. Es hatte sich nicht viel geändert, wie er auf den ersten Blick feststellen konnte. Die Bar stand noch immer ein Stück rechts gegenüber der Tür. Der tiefer gesetzte Boden, auf dem alle Tische standen, nahm den Platz direkt vor und links vor ihm ein. Als er eingetreten war, verstummten die Gespräche abrupt, wie üblich. Ein Maratase in diesem Teil des Landes führte üblicherweise zu ein paar hochgezogenen Augenbrauen. Die Gespräche begannen bald wieder - aber seine scharfen Ohren hörten ein paar gemurmelte Wortfetzen, die deutlich unfreundlich klangen. Interessant, die Dinge hatten sich wirklich verändert.
Er ging mit ruhigem Schritt zur Bar, während er sich genau über seine Umgebung informierte, ohne interessiert zu wirken. Er bedachte den großen geborstenen Amboss (den Namenspatron der Taverne) mit einem kurzen Blick, aber die Leute interessierten ihn am meisten. Fast alle schauten schnell weg, wenn er ihnen in die Augen schaute. Viele der Gäste waren Menschen und ein paar Zwerge, vielleicht auch Halbelfen, aber die konnte er noch nie auseinander halten. Alle machten einen seltsam unterwürfigen und furchtsamen Eindruck. Er bemerkte viele schnelle Blicke über die Schulter und viele Leute, die mit dem Rücken zur Wand saßen. Die Waffen befanden sich in Griffweite und niemand unterhielt sich laut.

Zuerst hatte er geplant, an der Bar zu sitzen, entschloss sich dann aber doch dagegen. Statt dessen ging er zu einer abgedunkelten Sitzecke am Ende des Raumes, eine der wenigen die nicht besetzt war. Für diese Tageszeit waren viele Leute im Gasthaus, dachte er. Er signalisierte für einen Met und der Wirt nickte knapp.
Nach ungefähr einer Minute bemerkte er, dass ihm gegenüber jemand saß! War er hier gewesen, als er sich niedersetzte? Verblüfft wanderte seine Hand zu seinem Messergürtel, aber dann hielt er inne. Die Gestalt, wer auch immer es sein mochte, reagierte in keiner Weise. Sie war sehr schwer zu erkennen, selbst mit seiner Fähigkeit, im Dunkeln gut zu sehen. Einen Moment später zog er seine Hand wieder zurück, musterte die Gestalt jedoch weiter genau. Alles was er feststellen konnte war, dass die Gestalt kräftig gebaut war und eine große schwarze Robe trug. Die Kapuze war aufgesetzt, was sehr seltsam war und die Schatten reichten aus, dass man das Gesicht des Mannes, der Frau oder des Wesens nicht erkennen konnte.
Etwas unbehaglich erhob er seine Stimme, sodass sie einem halben Knurren gleich kam. "Und wer mögt Ihr sein, dass Ihr euch uneingeladen an den Tisch eines Fremden schleicht?" grummelte er.
Zu seiner großen Verblüffung antwortete ihm die Gestalt in seiner Heimatsprache, "Ohne ein bisschen Schleichen geht heutzutage wenig, wie Ihr wisst. Oder seid Ihr vielleicht gerade erst in unserer schönen Stadt angekommen?" Der Maratase vermeinte mehr als nur leichtes Amüsement in der Stimme des Fremden feststellen zu können.
Verstimmt, aber ein bisschen entspannt, antwortete er "Das mag sein. Ich nehme an, ich mache einen weitgereisten Eindruck und es gibt wenig meiner Brüder hier. Dennoch bin ich wärmere Willkommen gewohnt." Er warf ein paar finstere Blicke in den Raum.
"Aha", antwortete die Gestalt, "nun, ein warmes Willkommen werdet Ihr hier nicht finden. Ich fürchte, die Stimmung in Malgrave ist in letzter Zeit ein bisschen gedrückt..." Seine Stimme verstarb und seine Kapuze verschob sich leicht. Allerdings konnte man sein Gesicht immer noch nicht besser erkennen als zuvor.

Während sie sich mit leisen Stimmen unterhielten, arbeitete das Unterbewusstsein des Maratasen. Hatte er diese seltsame Person vielleicht früher schon einmal getroffen? Etwas an ihrem Gehabe, ihrer Stimme klang männlich, schien vertraut. Er kannte einige Leute in dieser Stadt, aber nicht viele, die verborgen in Robe und Kapuze umhergingen ...
"Timmorel!" rief er aus, als ihm der Name plötzlich einfiel. "Ha. Wie üblich verblüfft dein Erscheinen und Verschwinden einfache Leute wie mich." Er konnte es sich nicht verkneifen kurz zu lächeln. Wenige Menschen kannten die Maratasensprache so gut wie sein alter Freund.
Die Gestalt kicherte und schlug ihre Kapuze zurück. Zum Vorschein kam ein hübsches Gesicht mit strahlenden blauen Augen und einer recht langen Nase. "Aber dein Gedächtnis ist gut wie immer, Nak'kasar. Ich nahm dein Erscheinen in der Stadt wahr und meine Neugier ließ mich nicht ruhen, bis ich herausgefunden habe, was du hier suchst." Als er den plötzlich grimmigen Gesichtsausdruck des Maratasen bemerkte, machte er eine kurze Pause, um dann fortzufahren. "Es steht nicht alles zum Besten, merke ich ...". Er wartete auf die Antwort von Nak'kasar.
Der große Maratase sog plötzlich die Luft scharf ein und biss seine Zähne zusammen. "Nein," sagte er gewaltsam "es steht in der Tat nicht zum Besten. Um die Wahrheit zu sagen, bist Du einer von mehreren Leuten, mit denen ich wichtige Dinge zu besprechen hoffte. Die anderen Beiden waren Hasjarl der Barde von Glarin und Avastro von Famorel. Ich fand sie beide ..." seine Augen wurden zu Schlitzen und seine Stimme sank zu einem Zischen herab, "... tot!"
Timmorels Hand verkrampfte sich um die Tischkante. "Es kann nicht sein! Avastro ist ein mächtiger Magier, mächtiger sogar als ich. Um ihn umzubringen würde man eine Armee benötigen oder den besten Assassinen eines Jahrhunderts. Wie starb er...?"
"Erstochen," unterbrach ihn Nak'kasar, "mit einer magischen Klinge, direkt in seinen Hals. Es geschah im Studierzimmer seines Turmes. Ich sah ihn selbst. Dies sind in der Tat schlechte Neuigkeiten, aber es gibt wichtigere Dinge. Es scheint, dass sich der Einfluss des Oberherrn ausgebreitet hat. Sein verfluchter Arm hat die Berge erreicht, in denen meine Leute leben, und selbst jetzt laufen einige von ihnen über. Vor knapp zwei Wochen zogen die Kriegsfürsten des Klans Kad'dak aus und sie überfielen die Stadt eines unserer Klans. Solche Gewalttaten gegenüber der eigenen Rasse sind bei manchen Völkern üblich," er ließ einen bedeutungs-vollen Blick durch den Raum schweifen, "aber wir Maratasen greifen nicht unsere eigenen Leute an!"
Timmorel blickte finster. "Schlechte Neuigkeiten, in der Tat. Ich hatte gehofft, dass der Einfluss des Bösen in euren Ländern schwächer sein würde." Er machte eine kurze Pause. "Die Dinge hier in Malgrave, befürchte ich, stehen schlimmer. Zu Frühjahrsbeginn, nach einem fürchterlichen Sturm aus dem Westen, legte sich ein Gefühl der Furcht und der Tücke auf die Stadt. Die Leute haben sich gegeneinander gewandt und Verbrechen und Mord sind zur Tagesordnung geworden. Bereits seit drei Monaten lebt die Stadt unter einem unheilvollen und mächtigen Schatten, den ich nicht bannen konnte."
"Aber das ist nicht das Schlimmste. In der Nacht wurden Untote in den Strassen und Alleen gesichtet und Menschen wurden ohne jegliche Wunde tot aufgefunden. Ich habe Anzeichen von Vampiren gesehen. Vor einer Woche wurden Maldain und das gesamte Herrscherhaus in ihren Betten verbrannt gefunden - ich selbst habe die Schutzsprüche um das Gebäude gewoben. Ich sage Dir, Nak'kasar, diese Stadt wird nicht mehr lange gegen die Schergen des Oberherrn bestehen können. Sie berauben uns unserer Stärke. Wenn seine Armee ankommt, wer wird dann noch kämpfen? Die Frauen und Kinder von Malgrave?"

Timmorel versteifte sich plötzlich und seine Augen weiteten sich. "Ihr Götter! Die Magiergilde! Er wagt es!" Er fixierte den Maratasen. "Ich muss gehen - die Gilde wird aus einer großen Entfernung magisch attackiert. Nak'kasar, Du musst einen Auftrag für mich erledigen. Nimm dies," er zog ein schmales rundes Objekt aus den Falten seines Gewandes "und überbringe es Rafaral in Helmsbane. Es darf nicht in die falschen Hände fallen! Er weiß was damit anzufangen ist. Ich wünsche dir alles Gute mein Freund, denn wir leben in schlechten Zeiten. Ich muss gehen!" Mit diesen Worten schien der Magier aus der Existenz zu verschwinden, bis nur mehr der leere Sitzplatz vor dem ungläubig starrenden Nak'kasar lag.
Er schaute sich das Objekt näher an, das Timmorel ihm gegeben hatte. Es war eine kleine Sphäre aus einem leichten Material - vielleicht Glas. Nachdem er es kurz gemustert hatte, wickelte er es in ein Stück sauberen Stoff und verstaute es in einem Beutel, den er am Gürtel trug. Dann stand er auf und ging direkt auf die Tür zu, sein unberührtes Getränk ließ er stehen. Er warf dem Wirt ein Silberstück zu und war verschwunden.

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